Willkommen kleiner Bruder

mamaundjungs

Im Dezember war es soweit: die Motte hat einen kleinen Bruder bekommen und ist mächtig stolz.

Das Wochenbett ist nun auch offiziell vorbei (mit dem Großen zuhause und Weihnachten war es diesmal ein kurzes Wochenbett).
So richtig reibungslos verlief unser Start diesmal leider auch nicht. Es war schon sehr viel einfacher als bei der Motte, vor allem, weil der Kurze reif und mit einem stattlichen Gewicht geboren wurde. Außerdem waren wir im Geburtshaus und konnten sofort wieder  nach Hause fahren, wo wir  von unserer Hebamme weiter betreut wurden.

Nun geht alles wieder von vorne los: stillen nach Bedarf, tragen im Tuch, ganz viel kuscheln im Familienbett. Ich habe nicht vor etwas anders zu machen als bei der Motte. Mit einer Ausnahme: dieses Mal wickeln wir Stoff. Und das macht riesig Spaß!

Endlich ohne Kindersitz im Bakfiets

Für alle, die sich fragen, ab wann Kinder wohl ohne Kindersitz bequem im Bakfiets sitzen können: Natürlich ist da jedes Kind anders, aber bei uns hat sich gezeit: es kann durchaus über 2 Jahre dauern. Gestern war es endlich soweit: wir haben den Sitz herausgenommen und behelfsweise einen Styropor – Würfel als Fußablage in die Kiste gestellt. Die Motte sitzt auf dem dicken Bakfietskissen und die Anschnallgurten sitzen super. Ich freue mich, dass nun endlich wieder mehr Platz in der Kiste ist (die Fußstützen vom Yepp waren schon sehr sperrig, aber eben praktisch). Außerdem bin ich froh den Zwischenschritt mit dem Yepp gemacht zu haben, das hat sich wirklich gelohnt.

Autonom – Eine schlimme Phase ist überstanden

Wie man an diesem Blog unschwer erkennen kann, „erziehen“ wir unsere Motte sehr selbstbestimmt und hoffen, dass sie eine selbständige, willensstarke erwachsene Motte mit  einer großen Portion Selbstgefühl (nach Jesper Juul) wird. Wir sind also sehr stolz auf unsere Maus, so viel vorweg. Im Alltag sollten wir uns nun wahrscheinlich nicht wundern, dass  die von uns so sehr erhoffte Willensstärke auch mal zu Herausforderungen führt.  Ich schreibe hier mit etwas Abstand von den schwierigen letzten Wochen, die wirklich eine Herausforderung für die gesamte Familie war. Auch die Großeltern, die relativ weit weg wohnen, wurden nicht verschont; sie haben uns zum Glück ein wenig entlasten können.

Motte lebte schon  immer in Phasen, wie in „Oje, ich wachse“, von  Hetty van de Rijt beschrieben. So gab es im ersten Jahr Wochen ohne Weinen und dann wieder wochenlang wütendes Geschrei. So ging es im zweiten Jahr im Grunde auch weiter. Kurz vor den Weihnachtsferien, als wir alle urlaubsreif waren, wurden wir von der ersten heftigen Autonomie-Welle überrollt. Alles war schwierig, Motte hatte einen Wutanfall nach dem anderen. Es ging los beim Abholen von der KiTa , an Einkaufen am Nachmittag war nicht zu denken. Die obligatorische Laufradtour wurde begleitet von ständigem Gebrüll und Auf-der-Strasse-liegen, weil Mama mal wieder in eine andere Richtung oder nicht auf der Strasse fahren wollte. Wir versuchten alles mögliche, frühes Abholen von der KiTa, freie Tage und ruhige Tage, aber je mehr Zeit ich mit Motte verbrachte umso häufiger gerieten wir auch aneinander. Die Brüllattacken kamen häufig überraschend und dauerten nicht selten länger als 20 Minuten an. Motte ist dann völlig außer sich und lässt niemanden an sich heran. Es ist unmöglich ihn zu trösten und mir bricht es das Herz, dass ich ihm nicht helfen kann.

Das einzige was ein bisschen hilft ist das ich mir ins Gedächnis rufe: es ist nur eine Phase.
Und so war es dann auch: während der Weihnachtsferien hatten wir viel Trubel und Besuch und Motte war so gut drauf, wie selten. Wichtig ist dann die Phase bewusst zu geniessen, denn auch sie hört wieder auf. Inzwischen sind wir schon im neuen Trotz – entschuldigung, Autonomie-Schub.

Baby Led Weaning im Krabbelgruppen-Wahnsinn

Wahrscheinlich kennt jeder Krabbelgruppen-Teilnehmer diese Beikost-Diskussionen im ersten Babyjahr. Immer wieder wird verglichen: wie macht ihr das?, Funktioniert das? Isst dein Baby gut, wieso wenn ja, wieso wenn nein? u.s.w

Eine Frage wird dabei besonders oft gestellt: wie viele und welche Stillmahlzeiten habt ihr schon ersetzt? Diese Information schien gemeinhin als Maßstab für das erfolgreiche Abstillen.

Wir haben von Anfang an (nach 7 Monaten) feste Nahrung angeboten und sind damit super gefahren. Stillmahlzeiten wurden nicht ersetzt, das war gerade der Clou. Beim BLW geht es eben darum die Beikost langsam einzuführen, und vor allem darum das Baby das Tempo bestimmen zu lassen (meist bedeutet dies langsam im Vergleich zur Breikost).

Wenn ich heute in Babyforen unterwegs bin, begegnet mir immer wieder die Frage nach den Stillmahlzeiten. Die Leute scheinen sich nicht davon lösen zu können, dass es bei der Babyernährung einen festen Plan geben muss. Ich frage mich woher das kommt.

Gleichzeitig gibt es immer wieder Nörgler, die meinen „alles neumodischer Kram, wir brauchen keine Anglizismen für Dinge, die wir schon immer so gemacht haben“. Offensichtlich brauchen wir dies eben doch. Als Motte geboren war studierte ich diverse Babybücher über Ernährung und in wirklich jedem Buch gab es einen Plan über die Beikosteinführung. Hier wurde jedes Baby über einen Kamm geschert, für absolut jedes Baby gab es hier einen genauen Plan, der einzuhalten war. Zum Glück landete ich in einem sehr modernen Stillcafe, das gerade anfing diese Beikosteinführung, wie sie im übrigen auch die Kinderärzte von allen Kindern in meinem näheren Bekanntenkreis empfehlen, in Frage zu stellen.

Man muss erstmal den Mut aufbringen sich gegen das Gros der Baby-Literatur wenden. Ich kenne viele, denen das zu heikel war. Also: ja, wir brauchen diesen Neumodischen Kram. Wir brauchen neue, moderne Literatur zu dem Thema und Mütter, die sich im Netz darüber austauschen, denn noch ist man in den Krabbelgruppen meist einsam mit dieser Art der Babyernährung.

 

Daran geknüpft ist das für mich zweit-nervigste Thema – die Eisendiskussion:

Dass das Eisen in der Muttermilch nach 6 Monaten auf einmal nicht mehr ausreicht und Babies unbedingt Fleisch essen müssen ist so nicht bewiesen. Zwar ist weniger Eisen in Muttermilch als in Formula, aber dieses kann vom Baby viel besser aufgenommen werden (nachzulesen z.B. in „Einmal Breifrei bitte“ von Loretta Stern und Eva Nagy). Ich halte es für übertrieben, dass beim BLW ständig diese Eisendiskussion aufkommt. BLW ist gerade hier super, weil Muttermilch um das Essen herum getrunken wird und somit die Aufnahme des Eisens aus der festen Kost verbessert wird.

Mein Kinderarzt sagte mir damals auch, dass mein Baby mit 6 Monaten 5 mal am Tag Fleisch bräuchte Jajaja, was auch immer!ausserdem meinte Sie auch mir erzählen zu müssen, dass ich nach 4 Monaten Beikost geben müsse, weil ich nach 6 Monaten vielleicht nicht mehr genug Milch haben werden. Dies war ein heruntergespulter Vortrag und hörte sich an wie auf einem Hipp Workshop auswendig gelernt. Ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich.

Zum Arbeiten: ich bin nach 8 Monaten wieder arbeiten gegangen (Papa hatte Elternzeit). Wir haben dafür gesorgt, dass immer genug Muttermilch im Haus ist. Die hat Papa dann mit einem Becher nach Bedarf gegeben. Als Mutter hat man ja Stillpausen und die habe ich zum abpumpen genutzt.
Das Stillen tagsüber hat sich recht schnell reduziert. Wurde aber eben über den Tag allmählich weniger und nicht zu einer bestimmten Mahlzeit. Mit ca. einem Jahr brauchte er tagsüber nicht mehr stillen, tat es aber am Wochenende noch ganz gerne.

Schlussendlich ist man grundsätzlich gut damit beraten Literatur zu wälzen, wenn man sich mit etwas Neuem beschäftigt, auch um mental gerüstet zu sein gegen den Druck der Krabbelgruppen-Mütter (und Väter), die einem nur Unverständnis entgegenbringen und auf Tradition setzen.

An dieser Stelle sei betont: alle Eltern, die sich von ihrem Umfeld und den unzähligen Ratgebern nicht beeindrucken lassen, sondern intuitiv handeln (egal ob sie füttern oder nicht) haben meinen größten Respekt.

 

 

Windelfrei

Bis heute (21 Monate) erleben wir die Vorteile von Windelfrei, auch ohne es komplett umzusetzen:

zwar geht die Motte noch nicht so zuverlässig auf die Toilette, dass wir die Windel komplett weglassen aber die größeren Dinge landen so gut wie nie in der Windel. Das ist seit der Beikosteinführung schon so. Siehe hier. So kennt er die Toilette schon gut und viel wichtiger:

  • er hatte noch nie einen wunden Po (der Mann weiß gar nicht was das ist)  und
  • seitdem er die Toilette benutzt, hatte er auch noch nie Verstopfung.

Immer noch stellt unser Umfeld Lebensmittel auf eine Art „Wunder-Po-Liste“ oder rationiert bestimmte Dinge stark. All das blieb uns erspart. Wenn die Motte meint sich heute an Kiwis überessen zu müssen, dann vertrauen wir darauf, dass er aufhört wenn es genug ist oder alternativ daraus lernt wie viel gut ist  😉

.derpott

Endlich Suppe! Geschmäcker ändern sich.

Endlich isst die Motte Suppe! Seitdem er selbst mit dem Löffel essen kann, biete ich ihm meine Gemüsesuppen an. Bisher waren ihm diese aber suspekt. Ich nehme an vor allem wegen der Konsistenz. Gestern habe ich ihm dann meine fertige, frische Bio-Kürbissuppe angeboten und endlich hat er sie probiert und großen Spaß beim Essen gehabt. Wir versuchen alles immer wieder anzubieten, weil sein Geschmack sich wirklich oft ändert. Es gibt sehr vieles was er mit großer Wahrscheinlichkeit mit Genuss verspeist, aber eine Garantie gibt es nicht. Dies gilt vor allem für Gemüse: mal schaufelt er den Blumenkohl in sich hinein, mal würdigt er ihn, trotz Hungers, kaum eines Blickes. Da es aber bei Suppe nicht um den Geschmack sondern um die Konsistenz ging hatte sie keine Chance. Nun freu ich mich riesig, weil wir eine neue Möglichkeit haben Gemüse lecker und umkompliziert auf Vorrat zuzubereiten.

Zucker

Zucker ist bei uns nie ein großes Thema gewesen. Wir hatten uns vorgenommen der Motte im ersten Jahr keine Süssigkeiten zu geben. Das war überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: als die Motte anfing ausser Haus feste Nahrung zu futtern und bei Kaffeekränzchen in Mutter-Kind Gruppen mit am Tisch saß, hat er sich zufrieden mit mir zuckerfreies Bananenbrot geteilt. Ich wurde richtig kreativ, was das zuckerfreie Backen für den Nachwuchs anging und finde alles was ich dem Lütten anbiete auch selbst sehr lecker. So verging das erste Jahr völlig problemlos ohne Zucker. Problematisiert hat dies meist eher  unser Umfeld. Leute äußerten Bedenken darüber, dass wir Süßigkeiten verbieten würden, was wir natürlich überhaupt nicht taten. Wir haben sie ihm nur einfach nicht angeboten.

Wenn wir Kindern Süßigkeiten anbieten bevor sie danach verlangen können, weil sie so etwas nicht kennen oder einfach kein Verlangen danach haben, dann tun wir das weil wir wollen, dass die Kinder Süßigkeiten essen, nicht weil sie es wollen.

Siehe hierzu auch Greenkitchenstories-A healthy start

Und dann frage ich mich: wieso wollen wir, dass unsere Kinder Süßigkeiten essen? Motte ist mit meinem Gebäck und Obst völlig zufrieden, wieso sollte ich an diesem beneidenswerten Umstand etwas ändern wollen? Wem nutzt das?

Zuhause belassen wir es bei zuckerfreiem Gebäck, wenn Freunde und Familie zu Besuch kommen. Das geht wunderbar. Im Sommer waren wir dafür fast jedes Wochenende Eis essen, worüber sich der Mann am meisten freute ;).

Unterwegs gibt es für Hungernotfälle meist Banane oder sonstiges Obst. Anfangs gab es jedes Wochenende Pfannkuchen (Vollkorn) mit Nussmus oder Obstmus (Rezepte) und die wurden dann auch auf Ausflügen mitgenommen.

Wir haben somit überhaupt nicht das Gefühl unserem Spross etwas vorzuenthalten, im Gegenteil: durch sein gesundes Esseverhalten gibt es keine Kämpfe, keine Machtspielchen, wenn er mal kein Gemüse mag, machen wir uns keine Sorgen, denn fast alles was er isst ist nahrhaft.